Eine Frage der Vernunft

Am kommenden Samstag, den 3. Mai wird in Würzburg und vielen weiteren Städten in Deutschland der „Global Marijuana March“ stattfinden. Um 15 Uhr werden hunderte Menschen vom Würzburger Hauptbahnhof an den Marktplatz marschieren und lautstark für die Freigabe eines der weltweit meistgenutzten Genussmittel demonstrieren. Zur Demonstration hat ein Bündnis aus Deutschem Hanfverband DHV, Hanfjournal, Jungen Piraten, JuSos, Linksjugend, Grüner Jugend und Piratenpartei aufgerufen.

Viele Menschen stehen dem Konsum von Cannabis ablehnend gegenüber. Die Liste der Vorurteile ist lang: Kiffen mache abhängig, faul und dumm. Außerdem sei der Konsum von Cannabis im Gegensatz zu Alkohol kein Teil unserer Kultur und die Legalisierung sei schon deshalb nicht zu rechtfertigen.

Doch stimmt das? Die Befürworter der Freigabe sehen das naturgemäß ganz anders. Von ihnen hört man häufig: die Gefahr einer Abhängigkeit sei zu vernachlässigen, es bestehe im Gegensatz zum Konsum von Alkohol nicht die Gefahr einer tödlichen Überdosis und Cannabis könne schwerkranken Menschen helfen.

Auf einige strittige Punkte lassen sich schnell wissenschaftlich belegbare Antworten finden. Zwar ist die Gefahr einer physischen Abhängigkeit nicht gegeben, jedoch kann es durch Gewohnheit und durch das persönliche soziale Umfeld zu einer psychischen Abhängigkeit von Cannabis kommen. Beim Absetzen kommt es häufig zu Schlafstörungen.
Ähnlich wie bei Alkohol sind auch beim Konsum von Cannabis in geringen Mengen keine Langzeitfolgen zu erwarten. Wie bei fast allen Genussmitteln gilt jedoch auch hier: in großen Mengen und bei häufigem Konsum kann es zu Langzeitschäden kommen. Nicht zu unterschätzen sind außerdem die Risiken im Straßenverkehr.

Auch die Wirksamkeit von Cannabis in der Palliativmedizin und bei Krankheiten wie Multipler Sklerose ist wissenschaftlich erwiesen. Die Leiden der Patienten lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten wesentlich einfacher und mit deutlich weniger Nebenwirkungen bekämpfen. In Ausnahmefällen kann deshalb bereits heute Cannabis als Medikament verschrieben werden.

Cannabis - Eine umstrittene Pflanze

Cannabis – Eine umstrittene Pflanze

Da die Nachfrage nach Cannabis als Genussmittel seit Jahrzehnten unverändert hoch ist, hat sich ein florierender Schwarzmarkt entwickelt. Ein Versorgungsproblem gibt es scheinbar nicht: Heute konsumieren in Bayern prozentual mehr Jugendlche Cannabis als in den Niederlanden. Der aktuelle Drogenbericht bescheinigt dieser Entwicklung eine steigende Tendenz. Zugang zu Cannabis hat ohne allzugroße Umwege beinahe jeder (auch minderjährige) Bundesbürger über persönliche Kontakte. Einen effektiven Jugendschutz sowie eine Qualitätskontrolle gibt es in Deutschland durch den unregulierten Schwarzmarkt nicht.

Die Debatte um neue Möglichkeiten zur Regulierung der Substanz hat deshalb gerade in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. In vielen unserer Nachbarländer ist der Besitz von geringen Mengen Cannabis straffrei, in einigen davon kann man eigene Pflanzen in sogenannten „Cannabis Social Clubs“ anbauen. Das Ziel dieser Regelungen ist in allen Fällen das Gleiche: Der Schwarzmarkt soll ausgetrocknet und über die Möglichkeit zur kontrollierten Abgabe ein effektiver Jugendschutz gewährleistet werden.

Auch in Deutschland kommt Bewegung in die Debatte. Jüngst forderten 200 der renomiertesten Strafrechtler Deutschlands die Einrichtung einer Enquette-Kommision im Bundestag, um über die Entkriminalisierung von Cannabis zu beraten. In der Begründung heisst es: Konsumenten würden durch die aktuelle Gesetzeslage unnötig kriminalisiert, die Strafbarkeit des Besitzes von Cannabis sei nicht verhältnismäßig.

Die Zeit scheint reif, um die Debatte über den Umgang mit Cannabis in Deutschland sachlich und nüchtern zu führen. Seit Jahrzehnten besteht nun endlich eine reale Chance, gemeinsam vernünftige und verhältnismäßige Gesetze für Konsumenten auf den Weg zu bringen.

Wie das aussehen könnte, kann man gut an einem Beispiel aus Würzburg erkennen: Eine Onlinepetition für die Eröffnung eines „Cannabis Social Club“ in Würzburg hat bereits über 600 Unterzeichner gefunden, die zugehörige Facebook-Seite hat sogar über 1.800 Fans. Die Petition sieht vor, dass volljährige Bürger gegen einen Mitgliedsbeitrag dort straffrei eigene Pflanzen anbauen, verarbeiten und konsumieren können. Täglich soll die Abgabe von bis zu 1 Gramm Cannabis möglich sein, der Besitz von bis zu 6 Gramm soll für die Mitglieder erlaubt sein. Das Projekt soll außerdem wissenschaftlich begleitet werden.

In jedem Fall ist der „Global Marijuana March“ am kommenden Samstag eine gute Gelegenheit für Befürworter und Gegner, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen und gibt einen wichtigen Anstoß in der Debatte um den Umgang mit Cannabis in Bayern und in ganz Deutschland.

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