Straba 6: Nichtrealisierung viel zu teuer

Straßenbahn Linie 6 | CC-BY-SA wuerzburgwiki.de Jan

Mit schockieren musste ich die Äußerungen des OB-Kandidaten Schuchardt zur Finanzierung der Straßenbahnlinie 6 zur Kenntnis nehmen. Bei einem hauptberuflichen Stadtkämmerer hätte ich eigentlich eine differenzierte Sicht auf die Kosten eines ÖPNV-Projekts erwartet, stattdessen werden nur die – förderfähigen – Investionskosten betrachtet und die – nicht förderfähigen – Betriebskosten ausgeblendet.

Wenn die Strabalinie 6 als zu teuer angesehen wird, müssen die Kosten für die Alternativen auch genannt werden:
Ein 40m-Straba-Zug ersetzt etwa fünf Gelenkbusse, ohne Strabalinie 6 müssen also für jede Straba fünf Busfahrer_innen beschäftigt und bezahlt werden. Zwei Drittel der Betriebkosten sind Personalkosten, der Kostenunterschied also erheblich. Bereits heute gibt es das Problem der Pulkbildung, also dass sich Busse überholen oder an Haltestellen aufeinander warten müssen. Busse, die sich nicht bewegen, können aber keine Fahrgäste befördern, die verlängerte Reisezeit macht den ÖPNV unattraktiv. Hier kann ganz klar festgestellt werden: Das System Bus hat zum Hubland seine Leistungsgrenzen erreicht, daran können auch keine Hybrid-, Elektro- oder Wasserstoffbusse etwas ändern. Außerdem zeigen sich an vielen Stellen bereits sichtbare Straßenschäden durch das hohe Gewicht insbesondere der Gelenkbusse – auch diese Kosten müssen in einer ehrlichen Rechnung auftauchen.

Die Tatsache, dass der Energiesektor der WVV durch eine verfehlte Politik nicht mehr ausreichende Erträge erwirtschaftet, darf nicht zur Begründung für eine verfehlte Politik im Verkehrssektor herangezogen werden. Stattdessen muss jeder Bereich für sich betrachtet werden, die Straba 6 bietet hier eine Chance durch niedrigere Betriebskosten das Defizit im ÖPNV langfristig nachhaltig zu senken. Zudem macht der Netzausbau das gesamte Netz attraktiver.

Außerdem darf nicht nur die Kostenseite betrachtet werden, sondern es muss unbedingt auch die Einnahmenseite betrachtet werden: Fahrgasterlöse gibt es nur mit einem attraktivem ÖPNV, heute wird kaum jemand freiwillig die teils völlig überfüllten Busse besteigen, sofern sie nicht bereits wegen Überfüllung vorbeifahren. Hier kann die Straba ausreichend Kapazität bereitstellen und ihre höhere Akzeptanz bei den Fahrgästen ausspielen, wie auch die Erfahrung mit der Heuchelhof-Linie in Würzburg bestätigt.

Ohne vernünftige ÖPNV-Anbindung ist der neue Stadtteil auf den Leightons kaum denkbar: Bereits heute ist Stau eine nahezu tägliche Erscheinung. Zusätzliche Einwohner und Arbeitsplätze würden dieses Problem noch verschärfen, wenn diese ebenfalls hauptsächlich das Auto nutzen. Freiburg macht es vor: Im Neubaugebiet Rieselfeld wurde als erstes die Straba in Betrieb genommen, entsprechend kamen die neuen Bewohner weniger auf die Idee mit dem Auto in die Stadt zu fahren.


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