Patente auf Leben? Pustekuchen!

Am Abend des 05. Oktober 2012 fand die Veranstaltung zum Thema “Saatgutfreiheit in Kitzingen und weltweit” in Kitzingen statt. Zwei unserer Direktkadidaten aus Unterfranken, Michael Hartrich und Benjamin Wildenauer, wollten sich das nicht entgehen lassen. Die Piratenpartei Deutschland ist gegen Patente und Monopole , die in diesem Bereich besonders zum Tragen kommen.

Gastautor: Michael Hartrich

Eingeladen hatte die Volkshochschule Kitzingen und open house. open house ist, nach eigener Auskunft, ein Netzwerk von Leuten, die von der Bedeutung der Nachhaltigkeit und der Kooperation überzeugt sind. Organisiert wird es hauptsächlich vom Ehepaar Barbara und Martin Keller.

Frau Keller hielt den Vortrag. Der Impuls zu der Veranstaltung ging von einer Organisation in Indien aus, die sich dem Erhalt von samenfesten Nutzpflanzen einsetzt. Diese Organisation heiß seedfreedom und die Organisatorin ist Frau Vandana Shiva. Sie hatte zu einer Woche der Saatgutfreiheit aufgerufen.
Zuerst ging Frau Keller auf die Geschichte von open house ein. Es entstand in den Jahren zwischen 2006 und 2010 aus der Widerstandsbewegung gegen Genmais im Raum Kitzingen. Damals versuchte der Konzern Monsanto Bauern in Kitzingen und Umgebung für den Anbau von Genmais zu gewinnen. Dies verursachte massive Proteste in der Bevölkerung, die schlussendlich zur Zerstörung er Genmaispflanzen im Raum Kitzingen sowie dem Verbot von Genmais in Bayern führte.
Da die so entstandene Bewegung aber nicht nur “gegen etwas” sondern auch “für etwas” sein wollte, entstand die “Saatgutarche Franken”, die sich durch Anbau, Tausch und gegenseitige Hilfe vieler Privatpersonen und Bauern für den Erhalt alter Kulturpflanzen und deren Samen einsetzt.

Frau Keller führte aus, dass früher die Samen durch Saatgutnetzwerke aus Bauern und Gärtnern erhalten und weiterentwickelt wurden. Heute gibt es ihrer Ansicht nach drei große Gefahren für den Erhalt der samenfesten Pflanzen und damit auch der Vielfalt. Diese sind die industrielle Landwirtschaft, die Monopole auf dem Saatgutsektor sowie die Patente, die auf dem Saatgut liegen.
Durch die industrielle Landwirtschaft werden Hybridpflanzen eingesetzt, deren Samen sich nicht zum weiteren Anbau eignen. Dafür benötigen sie große Mengen an Wasser, Dünger und Spritzmittel. Der Vorteil der Hybridpflanzen in Kombination mit dem Dünger und den Spritzmitteln ist der um etwa 50% höhere Ertrag im Vergleich zum “alten”, samenfesten Getreide.
Durch die Monopolisierung des Saatgutgeschäftes ist es in der Zwischenzeit so weit gekommen, dass 10 Konzerne, die eigentlich aus dem Chemiebereich stammen, 75% des Saatgutmarktes kontrollieren. Ein Bericht von Greenpeace aus dem Jahr 2005 sagt Ähnliches aus.

Zu guter Letzt sind es, wie so oft, die Patente, die den Leuten Schwierigkeiten machen. Obwohl Frau Keller sagt, dass ein gewisser Schutz der gezüchteten Pflanzen sinnvoll ist, da die Zucht und Entwicklung mit hohem Aufwand an Personen und Zeit verbunden ist, werden den Bauern immer mehr Rechte genommen. Die Lobby der Konzerne ist sehr stark und kann die Politik offensichtlich dazu bewegen die Gesetze immer weiter zu verschärfen. War es bisher teilweise noch erlaubt Saatgut für eigene Zuchtversuche zu verwenden, soll nun auch das verboten werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Konzerne mit der Zucht auch nicht bei null angefangen haben, sondern sich bei den freien Sorten kostenlos bedienten, die in vielen Jahren durch Bauern und Gärtner gezüchtet worden waren.

An den Vortrag schloss sich eine Diskussions- und Fragerunde an. Zuerst entspann sich ein Gespräch in dem es um “Erhalt von Pflanzen” vs. “Weiterentwicklung (Zucht) neuer Pflanzen” ging. In diesem Zusammenhang fragte ich, ob es auch Firmen gibt, die in größerem Stil die alten, samenfesten Pflanzen weiterentwickeln und vertreiben. Es gibt wohl ein paar solcher Betriebe (z.B. http://www.dreschflegel-saatgut.de/index.php oder http://www.bingenheimersaatgut.de/ die aber alle weit davon entfernt sind “global player” zu sein.
Beklagt wurde auch, dass die Menschen sich nicht bewusst, nachhaltig und gesund ernähren. Hierzu wurde auch die These aufgestellt, dass Unterrichtsstunden zum Thema “gesunde Ernährung” in der Schule ausfallen, weil den Lehrern hierzu die nötige Ausbildung fehlt. Der Nachweis hierfür wurde nicht erbracht und kann daher nicht verifiziert werden.

Am Ende hatten wir noch Gelegenheit ein paar sehr leckere Cocktailtomaten zu probieren. Außerdem lag Infomaterial mit folgenden Internetadressen bereit, bei denen man sich weiter informieren kann.

[…]Generell sind ein zunehmender Abbau von Monopolen und eine Öffnung der Märkte erklärtes politisches Ziel unserer Partei. Patente als staatlich garantierte privatwirtschaftliche Monopole stellen grundsätzlich eine künstliche Einschränkung der allgemeinen Wohlfahrt dar, die einer ständigen Rechtfertigung und Überprüfung bedarf.

Stellt die Patentierung industrieller Güter in der Vergangenheit auch nach allgemeiner Ansicht eine (weder belegbare, noch widerlegbare) Erfolgsgeschichte dar, so haben sich doch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Erfindens in der postindustriellen und globalisierten Gesellschaft grundlegend gewandelt. Der verstärkt internationale Wettbewerb führt darüber hinaus vermehrt zu einer zweckentfremdeten Nutzung des Patentsystems, bei der man oft keinerlei Ausgleich für die Gesellschaft mehr erkennen kann. Dem zunehmenden Missbrauch von Patenten wollen wir daher Einhalt gebieten. Patentierung von Trivialitäten oder sogar die Blockierung des Fortschritts durch Patente soll unter allen Umständen verhindert werden.[…]


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